Streikbewegung in Südafrika #2

Arbeiter machen Amplat platt!

Anglo American Platinum ist bereit, 12.000 Arbeiter wiedereinzustellen, die Anfang des Monats aufgrund ihres Streiks entlassen wurden. Das Angebot an die Arbeiter wurde im selben Moment veröffentlicht, als streikende Bergarbeiter versuchten, in Rustenburg eine Propagandaveranstaltung des Kongresses der Südafrikanischen Gewerkschaften (COSATU) zu verhindern.
COSATU und die Nationale Minenarbeitergewerkschaft (NUM) gelten unter Arbeitern mittlerweile offenbar als Streikbrecherorganisationen. Mit ihrer Nähe zur Regierung und den Konzernbossen haben sie die Interessen der Arbeiter nicht nur im konkreten Fall verraten. So kam es gestern zu handgreiflichen Versuchen, Mitglieder des COSATU an der Teilnahme der Demonstration zu hindern. Die Polizei gewährleistete durch den Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen die Sicherheit der Regierungstreuen und verletzte dabei Bildern zu folge mehrere Streikende.

In den letzten Wochen haben laut bürgerlichen Medien 80.000 Minenarbeiter dem Amplat-Konzern ihre Arbeitskraft verweigert. Sie fordern einen Lohn von umgerechnet 1800 Dollar monatlich. Amplat verhöhnte diese Forderung mit einem Angebot von einmaligen 230 Dollar, wenn die Arbeit wieder aufgenommen würde. Als das ausgeschlagen wurde, wurden 12.000 Arbeiter gekündigt. Die Reaktion waren landesweite Streiks, denen sich nicht nur zehntausende Minenarbeiter sondern auch Angestellte im Transportsektor massenhaft anschlossen.

Das der Streik ein sehr starkes Druckmittel ist, zeigt der aktuelle taktische Rückzug der Konzernspitze: in dem Wissen, dass die gekündigten Arbeiter und deren Familien jeden Tag große Anstrengungen durchstehen müssen, um ihren Kampf aufrecht zu erhalten, haben sie angeboten, die alten Verhältnisse wieder herzustellen. Das würde für die Arbeiter bedeuten, dass sie bei altem Lohn und jeder Möglichkeit zum Arbeitskampf beraubt wieder in die Schächte hinabsteigen müssten.

Eindeutig gegen diese Option spricht die Sprache des Kapitals: die Ratingagentur Standard & Poors hat aufgrund des Unfriedens die Prognose für den Konzern von „stabil“ auf „negativ“ herabgesetzt. Auch das Image Südafrikas als Investorenparadies leidet derzeit sehr stark unter den Massenstreiks. Investoren müssen sich wohl nach anderen Ländern mit willigen und billigen Arbeitskräften sowie Bodenschätzen umsehen, sollte die Konzernspitze den Forderungen der Arbeitern nachkommen müssen.

Das Angebot Amplats ist also wohl eher als letztes Aufbegehren in dieser Auseinandersetzung zwischen europäischen Ausbeutern und afrikanischen Arbeitern zu sehen. Deshalb viel Kraft den Mineros in Südafrika und in den kommenden Investorenparadiesen!

Video: http://www.euronews.com/nocomment/2012/10/28/clashes-between-riot-police-and-south-african-miners/
http://de.indymedia.org/2012/10/336818.shtml